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„Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

Seit das Buch angekündigt wurde, habe ich sehnsüchtig darauf gewartet. Als es dann schon einige Tage vor Erstverkaufstag im Buchhandel lag, hat mein Freund mich damit überrascht. So viel zu „Ich lese erst mal an meinem Stapel ungelesener Bücher bis zur Buchmesse…“ Das Warten hat sich gelohnt, denn der neue Roman von Anne Freytag konnte mich vollkommen mitreißen.

Inhalt

Sophies Vater trifft eine Entscheidung, mit der sie ganz und gar nicht einverstanden ist. Sie ziehen von Hamburg nach München, zu seiner neuen Freundin inklusive ihrer Söhne und Hund. Da ihre Mutter sie nach der Geburt verlassen hat, kommt sie mit der neuen Frau in ihrem Leben nicht gut zurecht. Auch das Thema Liebe ist Sophie nicht so geheuer. Sie hat schon Erfahrungen mit Jungs, aber irgendwie waren diese Erlebnisse nie wie in ihrer Fantasie. Richtig auf einen Menschen eingelassen, hat sie sich aber noch nie, bis sie in ihrer neuen Heimat auf das Nachbarsmädchen Alex trifft.

Gedanken

Als ich das Buch zugeschlagen habe, war ich erst mal sehr verwirrt, da ich viele Gedanken dazu hatte, die nun geordnet werden wollen.

Man begleitet Sophie auf eine emotionale Reise. Vom Umzug, gegen den sie sich wehrt so gut sie kann, über das Ankommen in der neuen Umgebung inklusive Ignorieren der neuen Familie bis zu den neuen Klassenkameraden von denen ihr einer ganz besonders auf die Nerven geht. Und dann ist da auch noch das Nachbarsmädchen.

Wie das manchmal so ist: Menschen zerdenken Dinge, bis in kleinste Detail. Das kann Sophie auch ganz gut. Besonders als sie ihre Nachbarin Alex kennen lernt. Durch diese verschiedenen Gedankengänge konnte ich mir fast kein eigenes Bild von Alex machen, da Sophie sie von allen Seiten beleuchtet hat. Die meisten Charaktere haben ein gutes Eigenleben und wirken somit sehr lebendig, für mich waren nur die Brüder von Sophie ein bisschen blass. Grade Sophies bester Freund Lukas, der in Frankreich wohnt, war sehr greifbar, obwohl die beiden meist nur über Skype kommunizieren.

Ich habe den Mund voll ungesagter Dinge. Und ganz gleich, wie oft ich sie runterschlucke, sie kommen jedes Mal zurück. Manchmal wünschte ich, sie würden endlich überlaufen. Aber dann lasse ich es doch nicht zu.

Durch den fabelhaften Schreibstil ist man Sophie und ihren Gefühlen sehr nah und es fühlt sich wie eine reale Geschichte an. Es ist ein langer Weg bis sich ihre Gedanken von Verdrängung zu Akzeptanz umwandeln – und der geht unter die Haut. Ihre Gefühle sind so authentisch und echt beschrieben, dass man sich fühlt, als ob man in Sophies Kopf stecken würde. So lernt man auch andere Seiten von Sophie kennen, die einen dann beim Auftreten doch überraschen.

In Sophies Fantasie ist Sex immer perfekt – Romantik, Kerzenschein und echte Gefühle. Doch leider stellt sie jedes Mal fest, dass das komplette Gegenteil der Fall ist. Ich finde es gut, dass in dieser Geschichte Sex nicht über-perfektioniert wird. Es ist nicht immer alles flauschig und Sonnenschein. Besonders nicht, wenn man 17 Jahre alt ist, und das hat Anne Freytag sehr gut dargestellt.

Es gibt einen Punkt in dem Buch, bei dem ich mir immer noch nicht sicher bin, wie ich ihn finden soll. Teilweise wird das Thema Fremdgehen angesprochen. Klar, haben Teenager die meiste Zeit vermutlich andere Sorgen als sich ums Betrügen Gedanken zu machen. In dem Buch fand ich es aber irgendwie nebensächlich behandelt und fast schon ein größeres „Tabu“ als homosexuelle Liebe, das hat mich ein bisschen gestört.

Fazit

„Den Mund voll ungesagter Dinge“ hat mich nicht so aufgelöst zurück gelassen wie „Mein bester letzter Sommer“, aber dafür mit umso mehr Gedanken. Die Liebe zwischen Mädchen wurde nicht übertrieben oder kitschig dargestellt, auch wenn sich in einem Liebesroman ein wenig Kitsch manchmal nicht vermeiden lässt. Sophie und ihre Reise gehen unter die Haut!

Liebste Grüße,
Elli

Kennt ihr noch mehr gute Bücher über gleichgeschlechtliche Liebe?

Weitere Meinungen zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“
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9 thoughts on “„Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag”

  1. Liebe Elli,

    Eine absolut tolle und ehrliche Rezension! Ich finde, dass du deine Gedanken zu der Geschichte wunderbar in Worte packen konntest!
    Ich freue mich auch schon wahnsinnig auf das Buch und bin gespannt, wie es mir gefallen wird!

    Liebste Grüße ❤ Jill

    1. Hi Jill,
      Danke für deine lieben Worte! 🙂
      Ich bin auch schon total gespannt, wie du es findest. Muss mich im Laufe der Tage erst mal durch die ganzen tollen Rezensionen arbeiten, die heute schon erschienen sind.
      Liebste Grüße,
      Elli

  2. Ich liebe ja „Nur drei Worte“ aka Simon vs the Homo Sapiens Agenda. Vielleicht kennst du es ja schon? Wenn nicht, lies es unbedingt. Es ist so schön. 🙂

    Deine Rezension mag ich sehr. Und nicht nur, weil wir das gleiche Zitat rausgesucht haben! 😉
    Du übersiehst bei aller Liebe zum Buch auch die kleinen „Makel“ nicht. Das überliest sich ja schnell, wenn man Bücher mag.

    Ich bin mal so frei und verlinke dich ebenfalls bei mir. 😀

    Liebe Grüße
    Rebecca

    1. Hi Rebecca,
      ich war grade total verwirrt und musste den Klappentext von „Nur drei Worte“ nochmal lesen. Habe es vor ein paar Wochen geschenkt bekommen und habe jetzt grade festgestellt, dass da „Er“ und nicht „Sie“ steht. 😀 Wie man doch manche Sachen einfach als gegeben sieht…
      Dankeschön, das freut mich sehr! Bei dem Titel und der Textstelle bietet sich das ja auch an. 🙂
      Ich musste auch wirklich eine Weile drüber nachdenken, was mich gestört hat, weil es doch ziemlich klasse war. Doch irgendwo war da noch ein „Aber…“ in meinen Gedanken.
      Juhu, danke! 🙂
      Liebste Grüße,
      Elli

    1. Hi Janna,
      Danke für deine netten Worte. Ja, das Cover ist wirklich wunderschön! 🙂
      Wieso ist es nichts für dich?
      Liebe Grüße,
      Elli

      1. Ich glaube inhaltlich würde es mich nicht so mitreißen, um Lesefreude zu vermitteln – und da ich auch Jess`Rezi kenne glaube ich das noch weniger 😀
        Aber dich konnte es begeistern und das ist doch auch fein 😉

  3. Liebste Elli,

    hach, was für eine schöne, ehrliche Rezension. Ich liebe es ja immer wieder, dass in deinen Rezensionen deine Emotionen zu dem jeweiligen Buch absolut spürbar und nachvollziehbar sind. Auch wenn ich „Den Mund voll ungesagter Dinge“ nicht lesen werde, kann ich mir zumindest eine gute Meinung über das Buch bilden. Wäre es mein Genre, hätte ich spätestens jetzt Lust mal in das Buch reinzuschauen. 😉

    Liebste Grüße,
    Tati

    1. Hi Tati,
      das ist so lieb von dir, danke! 🙂
      Das Buch wird ja grade heiß diskutiert, da kommt man fast gar nicht drum herum, sich eine eigene Meinung dazu zu bilden.
      Liebste Grüße,
      Elli

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