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„The Hate U Give“ von Angie Thomas

Wie ihr eventuell mitbekommen habt, gab es The Hate U Give vor ein paar Wochen bei Amazon für schlappe 5€. Da haben natürlich einige zugegriffen und ich konnte auch nicht widerstehen. Eigentlich war zu Ostern auch eine gemeinsame Leserunde geplant, aber irgendwie ist den meisten was dazwischen gekommen, so dass ich es dann alleine gelesen habe.

Inhalt

Starr ist sechzehn Jahre alt und führt ein kompliziertes Leben. Sie besucht eine Privatschule, an der sie eine von wenigen schwarzen Schülern ist, und wohnt in einem Viertel das ihre Mitschüler „Ghetto“ nennen würden. Es ist nicht ganz einfach für sie das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Kontrasten zu halten. Als ob das noch nicht genug wäre muss sie mit erleben wie ihr Kindheitsfreund Khalil von einem Polizisten erschossen wird. Die darauf folgenden Protestwellen droht Starr komplett aus ihrem Leben zu werfen. Stimmen die Gerüchte über Khalil? Was ist an diesem Abend wirklich passiert?

Gedanken

Der Einstieg in das Buch war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte wird aus Starrs Perspektive geschrieben und somit findet sich viel jugendlicher Slang in dem Buch wieder. Es gab vor einiger Zeit einen wunderbaren Blogartikel zu der Sprache in diesem Buch, den Isabella von Noch Mehr Bücher wieder gefunden hat, vielen Dank dafür! Sobald man sich aber an die Sprache gewöhnt hat, lässt sich das Buch aber wunderbar flüssig lesen. Der Anfang der Geschichte wird zu einem großen Teil von Tag zu Tag erzählt. Je weiter das Buch voranschreitet, desto größer werden die Zeitsprünge auch. Die haben mich zum Ende der Geschichte ein wenig gestört, da ich gefühlsmäßig irgendwie nicht mehr hinter hergekommen bin. Auch mit dem Ende der Geschichte war ich nicht vollkommen glücklich. Versteht mich nicht falsch, das Buch konnte mich trotzdem vollkommen begeistern.

Starr muss sich in der Schule dauernd verstellen, da sie Angst hat als „die Schwarze aus dem Ghetto“ abgestempelt zu werden. Ihre Freunde wissen eigentlich nicht so richtig wie Starrs Leben aussieht, denn die meisten wohnen in reicheren Vororten der Stadt. Dieser Kontrast wird in jedem Bereich ihres Lebens deutlich und lässt einen mit einem ganz mulmigen Gefühl zurück. Es wird sehr deutlich, wie sich Starrs Alltag von den Leben ihrer Mitschüler unterscheidet.

I’ve seen it happen over and over again: a black person gets killed just for being black, and all hell breaks loose. I’ve tweeted RIP hashtags, reblogged pictures on Tumblr, and signed every petition out there. I always said that if I saw it happen to somebody, I would have the loudest voice, making sure the world knew what went down.

Now I am that person, and I’m too afraid to speak.

(S. 34)

In dieser Geschichte werden viele Vorurteile über Weiße und Schwarze angesprochen und in Frage gestellt. Starr begegnet, nach Khalils Tod, noch mehr von diesen Klischees. Natürlich gehen die Medien davon aus, dass Khalil bewaffnet war und sowieso mit Drogen gedealt hat. Die Wahrheit scheint die wenigsten zu interessieren. Die Vorurteile werden oft mit sehr viel Sarkasmus verpackt hinter denen sich eine bittere Portion Wahrheit befindet. Ich habe beim Lesen laut aufgelacht bis mir im nächsten Satz das Lachen im Hals festgesteckte.

Die Autorin schafft es, jedem Charakter aus Starrs Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft ein einzigartiges Gesicht zu geben. Ich wusste genau, wie Starrs Geschwister und Eltern ticken und konnte gut verstehen, warum sich Starrs Freund Chris so verhält wie er es tut.

Respekt vor der Polizei wurde Starr anerzogen, nach Kahlils Tod hat sich jedoch Angst vor der Polizei. Ich habe auch Angst entwickelt, allerdings vor den Plottwists. Genau wie der Humor des Buches können auch die Geschehnisse ganz schnell in eine andere Richtung umschlagen. In diesen Momenten wollte ich eigentlich gar nicht weiterlesen, weil ich nicht wollte, dass noch mehr schreckliche Dinge passieren. Doch so schlimm die Ereignisse manchmal waren, so schön war es zu beobachten, wie Starr aus ihnen lernt und an den Herausforderungen wächst.

„Brave doesn’t mean you’re not scared, Starr,“ she says. „It means you go on even though you’re scared. And you’re doing that.“

(S. 331)

Fazit

Trotz ein paar kleiner Makel, konnte mich das Debüt der Autorin vollkommen überzeugen! Die Haftmarker sind mir beim Lesen ausgegangen, weil es einfach so viele fantastische Stellen in dem Buch gab. Starrs Geschichte ist eine emotionale Achterbahnfahrt die mich wirklich sehr nachdenklich zurück gelassen hat. In einer Zeit, in der wir in vielen Bereichen weit fortgeschritten sind aber immer noch mit Rassismus zu kämpfen haben, sollte dieses Buch jeder lesen. Ich freue mich schon, wenn dieses Buch zur Standard Schullektüre wird denn es hat alles, was ein gutes Jugendbuch meiner Meinung nach haben sollte.

Yet I think it’ll change one day. How? I don’t know. When? I definitely don’t know. Why? Because there will always be someone ready to fight. Maybe it’s my turn.

(S. 443)

Liebste Grüße,
Elli

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15 thoughts on “„The Hate U Give“ von Angie Thomas”

  1. Oh Elli,

    Ich habe diesen Beitrag so entgegen gefiebert!
    Bei mir wird es leider immer noch ein paar Tage dauern, bis ich durch bin. Kann dir aber bereits jetzt bei vielen Ansätzen nur zustimmen!
    Der Schreibstil, bzw. die Umgangssprache haben mir das flüssige Lesen echt erschwert…aber Auch ich habe bisher zig Haftnotizzettel verklebt!
    Eine wirklich tolle Rezension, vielen Dank!

    Drück dich ❤ Jill

    1. Hi Jill,
      danke für deine lieben Worte! Die Rezension war alles andere als einfach. Ich hoffe, die wichtigen Punkte sind rüber gekommen. Ich freue mich schon auf deine Rezension zu dem Buch.
      Noch viel Spaß beim Lesen,
      Elli

  2. Hi! Habe gerade erst den Post auf Twitter gesehenund musste die Rezi sofort lesen. Ich fand das Buch großartig. Und war von mir selber geschockt, weil ich soo viele Vorurteile in meinem eigenen Leben gefunden habe. Viele Stellen im Buch haben mich wahnsinnig wütend gemacht. Früher wollte ich selber mal zur Polizei gehen, aber gerade bin ich einerseits frih es nicht getan zu haben, andererseits könnte ich vielleicht was ändern.

    Was in diesem Buch alles schiefläuft ist leider mehr Alltag als mir klar war und sogar in Serien werden viele Probleme gar nicht beachtet. Nach diesem Buch sind mir rassistische Handlungen und Bemerkungen aufgefallen, die ich vorher als “okay“ oder “normal“ abgetan hätte. Das hat mich sehr geschockt.

    Ich finde, dass dieses Buch von noch viel mehr Menschen gelesen jnd diskutiert werden sollte, weil es eben so wichtig ist. Danke für deine schöne Rezi, vielleicht habe ich jetzt auch mal den Elan meine abzutippen.

    Alles Liebe, Friederike

    1. Hi Friederike,
      ja, das Buch kann einem schon wirklich die Augen öffnen und einem zu Denken geben. Ich hoffe, dass es in Zukunft auch noch mehr diskutiert wird, das Buch hat es wirklich verdient!
      Danke für deine lieben Worte und liebe Grüße,
      Elli

  3. Liebe Elli,

    eine großartige Rezension! Man merkt deutlich, wie zwiespältig nicht nur das Buch, sondern teilweise auch deine Gefühle waren. Und dennoch merkt man aber auch, wie sehr es dich bewegt hat und welche Wellen es noch jetzt in dir schlägt. Wirklich schön geschrieben. 🙂 Ich denke, THUG ist wirklich ein für sich besonderes Buch.

    Liebste Grüße,
    Tati

    1. Hi Tati,
      vielen Dank! Freut mich sehr, dass sie dir gefällt. Das war wirklich eine schwere Geburt weil das Buch teilweise auch schwierig ist. Ich hoffe auf jeden Fall, dass die Geschichte noch mehr Aufmerksamkeit bekommen wird!
      Liebste Grüße,
      Elli

  4. Ganz wichtiges Thema und super Rezi. Ich finde es großartig wenn sich jemand traut und so ein schwieriges Thema für Jugendliche aufbereitet. Klar kann man es im fortgeschrittenen Alter auch noch lesen, meist greif ich dann aber doch zu einem Buch für Erwachsene.

    Liebe Grüße und guten Start in die Woche
    Sabrina

    1. Hi Sabrina,
      vielen Dank! Ich finde, auch wenn es ein Jugendbuch ist, kann es eigentlich jeder lesen. Es sind ja nun mal leider oft Jugendliche, die in diese Geschichten mit rein gezogen werden. Du solltest dir die Geschichte nicht entgehen lassen!
      Liebe Grüße,
      Elli

  5. Auf BookTube bin ich jetzt schon öfter auf „The Hate U Give“ gestoßen – vielen Dank für deine Rezension! Ich denke, ich werde mir das Buch jetzt dann auch mal zulegen.

    Ein Buch zum Thema Vorurteile und Rassismus, das ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen habe, ist „Noughts and Crosses“ von Malorie Blackman. Die Autorin hat die üblichen Rollen in einem Parallelwelt-Setting komplett auf den Kopf gestellt. Kann ich nur empfehlen!

    Liebe Grüße!
    Carmen

    1. Hi Carmen,
      der Kauf lohnt sich wirklich, es ist ein ganz besonderes Buch! Ich hoffe, du hast viel Freude damit.
      Das Buch kannte ich noch gar nicht, vielen Dank für den Tipp.
      Liebe Grüße,
      Elli

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