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„Es“ von Stephen King

Herzlich Willkommen zum ersten Beitrag der neuen Kategorie „Das war aber im Buch ganz anders“ bzw. „Aber im Buch…“! Ich bin leider so eine Person, die genau diesen Satz immer wieder sagt, wenn ich Buchverfilmungen schaue. Es geht einfach nicht anders, wenn mir etwas auffällt dann muss ich das auch mitteilen. Als ich neulich die alte Verfilmung von Tommy Lee Wallace zu Es von Stephen King gesehen habe kam mir die Idee, in diesem neuen Format mal das Buch mit dem Film zu vergleichen. Ich schaue wahnsinnig gerne Buchverfilmungen, aber immer erst, nachdem ich das Buch gelesen habe.

Horror auf 1500 Seiten

Wer im Mai auf Twitter unterwegs war hat es eventuell mitbekommen, der Stephen King Mai #skm17 hat viele Bücherwürmer motiviert, „endlich“ oder „mal wieder“ ein Buch von King zu lesen. Bei mir war es das „endlich“, denn ich wollte Es schon seit langem lesen. Die zwei Dinge die mich abgeschreckt haben waren die Länge (stolze 1500 Seiten wollen gelesen werden) und die Story an sich, denn ich hatte schon im Vorfeld Angst vor Pennywise, dem tanzenden Clown.

Ich sage mir, dass es nur die üblichen Geräusche in einem alten Gebäude sind… aber ich bin mir nicht ganz sicher. Und ich frage mich, ob irgendwo dort draußen im Sturm heute Abend ein Clown Ballons an den Mann bringt.

(S. 593)

Ich habe das Buch trotzdem gelesen, und ich bin sehr froh drum denn ich hätte nicht erwartet, dass Es zu einem meiner neuen Lieblingsbücher wird. In Derry finden sich sieben Kinder, der „Club der Verlierer“, die sich im Sommer 1958 zum Ziel setzen, das Kinder tötende Monster Es zu töten. Das Buch springt immer wieder 27 Jahre hin und her, denn Es ist wieder gekommen und die nun erwachsenen Freunde wollen Es endgültig den Gar aus machen.

Club der Verlierer

Wer King kennt der weiß, der Mann beschreibt gerne jede Straße und jedes wichtige Ereignis im Leben der Charaktere bis ins kleinste Detail. Manchen geht das auf die Nerven, in Es habe ich es allerdings unheimlich genossen. Diese intensiven Beschreibungen führen dazu, dass man mit Bill & Co. durch die Barrens schleicht, auf der Flucht vor Henry Bowers und seiner Bande, und dabei Angst hat, dass Eddie gleich den nächsten Asthma Anfall oder Stan wieder einen kleinen Ausraster bekommt. Man wird Teil der Clique, man kennt die Gefühle der Charaktere als wären es seine eigenen Freunde. Mit ihnen zusammen verspürt man Freude, wenn der Bau des Damms endlich geklappt hat und spürt die Präsenz von Es schon ein paar Seiten im Voraus. Da man bei den Kindheitserlebnissen quasi live dabei war, versteht man ziemlich gut, wieso sich die Erwachsenen so verhalten wie sie es tun und fühlt mit ihnen. Als ich mit meiner Mutter über das Buch diskutiert habe hat sie dazu gesagt: „Wenn man das Buch mal wieder liest, begrüßt man alle wie alte Freunde“. Und genau das trifft es ziemlich gut, ich hatte dieses Gefühl schon während des Lesens.

„Hallo, willst du mein Freund sein?“

Diese intensive Entwicklung der Freundschaft und der Charaktere kam im Film leider überhaupt nicht rüber. Um genau zu sein handelt es sich um eine Mini-Serie die einen drei Stunden langen Film ergibt. Wie man sich schon denken mag, ist es so gut wie unmöglich alle wichtigen Teile aus 1500 Seiten in einen Film zu packen, auch wenn er ziemlich lang ist. Grade dieser wichtige Punkt, die Freundschaft der Sieben, war zwar dargestellt, konnte mich aber überhaupt nicht überzeugen. Es wirkte eher willkürlich und wie „Hallo, willst du mein Freund sein?“. Doch die Sieben verbindet etwas besonderes. So Besonders, dass sie sich gemeinsam dem Monster stellen. Ich habe mich beim Film die ganze Zeit gefragt, wie man die Geschichte auch nur ansatzweise verstehen will, wenn man das Buch nicht kennt. Ich schätze, ohne das „Hintergrundwissen“ ist es einfach nur ein Horror-Film.

Ein böser Clown ist nicht alles

Ähnlich verhielt es sich mit der düsteren Stimmung. Im Buch konnte ich mir den Horror bildlich vorstellen und er ist sogar in meinen Träumen bei mir geblieben. Pennywise, vom Tim Curry gespielt, war auch ziemlich creepy aber die Stimmung drum herum war leider nicht richtig präsent. Das mag an den Effekten liegen, die 1990 natürlich noch nicht atemberaubend waren. Aber vielleicht auch wieder daran, dass viel Hintergrundwissen zu Es einfach nicht transportiert wurde. Umso mehr freue ich mich auf die neue Verfilmung, die wir im September endlich im Kino schauen können.

Cthulhus Ruf

Apropos Hintergrundwissen zu Es. Wer sich mal mit den Cthulhu Geschichten von H.P. Lovecraft auseinander gesetzt hat, dem werden im Buch einige Parallelen auffallen. Die Leute in Derry scheinen das Böse zu ignorieren, verrückt zu werden und es einfach zu vergessen. Das Böse scheint in der ganzen Stadt zu sein und wieso kann Es mehrere Gestalten annehmen? Es gibt sehr viele Autoren die sich an H.P. Lovecrafts Geschichten orientiert haben und ich denke, dass auch Es davon inspiriert wurde und Es selbst eine Adaption der großen Alten ist. Das sind auch wieder Punkte, die bis auf das Ignorieren und die Veränderung der Gestalt, die im Film komplett ausgelassen wurden.

Fazit

Wie oben schon angedeutet, hat mich das Buch ziemlich umgehauen und ist eins meiner neuen Lieblingsbücher geworden. Die Charaktere empfangen einen mit offenen Armen und man gruselt sich mit ihnen. Das kann ich von dem Film leider nicht behaupten denn es fehlte einfach zu viel, der Fokus war anders und viele Sachen wurden verdreht. Nichtsdestotrotz ist der Film insgesamt gut und hat wohl damals wie heute als „einfacher“ Horrorfilm, ohne die komplexe Hintergrundgeschichte, vielen Leuten das Fürchten gelernt. Der Film hat mir wegen der alten Effekte keine Angst gemacht, ich bin schon gespannt wie meine Meinung zu der neuen Verfilmung ausfallen wird.

Ich hoffe, euch hat der erste Beitrag von „Aber im Buch…“ gefallen! Vielen Dank mal wieder an meine liebste Tati, die mir mit Tipps & Tricks unter die Arme gegriffen hat.

Liebste Grüße,

Elli


Habt ihr das Buch gelesen und den Film gesehen? Wie fandet ihr sie?


 

||||| Like It 3 Yay! |||||

10 thoughts on “„Es“ von Stephen King”

  1. Wundervoller gut geschriebener Beitrag und eine tolle Beitragsidee!! Denn ja, der Satz kommt mir auch immer wieder über die Lippen und doch muss ich die Buchverfilmungen schauen 😀

    Hach, mich schrecken diese 1500 Seiten echt ab, obwohl es mich schon sehr reizt – gerade weil mir Clowns uuuunheimlich sind!

    Liebe Grüße & einen feinen Abend dir!

    1. Hi Janna,
      vielen Dank, das freut mich sehr!
      Mich haben sie auch abgeschreckt, aber die Seiten fliegen nur so dahin. Das Buch ist wirklich super spannend und man wünscht sich eigentlich noch mehr Seiten. Einfach mal Reinlesen. Ich fand Pennywise auch ziemlich gruselig, aber das legt sich irgendwann. Es lohnt sich wirklich!
      Liebe Grüße,
      Elli

  2. Hallo Elli,
    ES gehört also nun zu deinen Favoriten… Noch ein Grund, es möglichst schnell zu lesen. Es ist dieses Jahr auf jeden Fall noch fällig, dein Fazit macht auch direkt Lust auf das Buch.

    Was Du über den Film schreibst, habe ich so bei „Sie / Mistery“ auch erlebt. Ich habe den Film erst nach dem Buch gesehen und es fehlte soooo viel! Katy Bates war toll, aber die Handlung war stark gekürzt und abgeändert. Für Nicht-Buch-Leser aber ein guter Film.

    Vielen Dank fürs mitmachen beim #skm17. Hat Spaß gemacht, King gemeinsam zu entdecken! 🙂

    Viele Grüße,
    Jemima

    1. Hi Jemima,
      ich kann mich einfach nicht dagegen wehren, das Buch hat mich begeistert. Freut mich, dass ich dir Lust auf das Buch machen konnte.
      Kings Bücher sind vermutlich auch einfach schwierig zu verfilmen da er so viele wichtige Sachen reinpackt, die man in einem Film einfach nicht alle unterbringen kann.
      Es hat viel Spaß gemacht und ich hoffe, ihr wiederholt die Aktion! 🙂
      Liebe Grüße,
      Elli

  3. Huhu!
    Oh ich habe ES so sehr geliebt! Natürlich dauert der Brocken ein wenig länger, aber ich habe wie du jedes Detail genossen. Jetzt nach 2 Jahren bin ich schon fast soweit, das Buch erneut zu lesen 😄 ich freu mich auch schon sehr auf die Neuverfilmung, der alte Film ist mir nicht so positiv im Gedächtnis geblieben.

    Liebe Grüße!

    1. Hi,
      juhu, noch ein Pennywise Fan! Ich werde es auch definitiv irgendwann nochmal lesen. Bald kommt ja die neue Auflage von Heyne mit dem Filmplakat als Cover, das wäre doch ein guter Zeitpunkt? 🙂
      Ich bin auch schon wahnsinnig gespannt auf die Neuverfilmung, dauert ja nicht mehr lange.
      Grüße,
      Elli

  4. Für mich ist „Es“ definitiv eines meiner liebsten Bücher und auch eins der wenigen, die ich mehrmals gelesen habe. King ist tatsächlich ein Verehrer der Geschichten von H.P. Lovecraft. Mich hat das als Teenager dazu gebracht „Cthulhu“-Geschichten zu lesen, aber ehrlich gesagt konnte ich nichts damit anfangen. Da fand ich später das Rollenspiel „Call of Cthulhu“ interessanter, auch wenn das jetzt nicht das Gleiche ist.
    Bei Filmen tu ich mich überhaupt nicht schwer damit, wenn sie nicht buchgetreu umgesetzt sind. Für mich sind das eher Zusammenfassungen. Bei dem neuen „Es“ bin ich mal sehr gespannt. Soweit ich es verstanden habe, werden hier die beiden Handlungsstränge in zwei Filme getrennt. Finde ich auf den ersten Blick blöd, weil mich gerade die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart so faszniert hat.

    Liebe Grüße
    Mona

    1. Hi Mona,
      ich habe auch mal ein paar Cthulhu Stories gelesen aber bis jetzt auch noch nichts gefunden, was mich wirklich überzeugen konnte. Meistens sind sie sehr schwammig, alle werden wahnsinnig und man weiß eigentlich gar nicht so richtig, was passiert. Es gibt ja zum Glück sehr viele Adaptionen des Mythos, Rollenspiele eignen sich da wirklich gut. Villen des Wahnsinns fand ich richtig gut.
      Der erste Teil soll die Kindergeschichte erzählen, der zweite dann die Erlebnisse der Erwachsenen. Ich bin auch sehr gespannt, wie das umgesetzt wird da die die Rückblenden ja schon ein wichtiges Element der Geschichte sind.
      Liebe Grüße,
      Elli

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