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Schullektüre

Hallo ihr Lieben und Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von Drüber nachgedacht!

Auch dieses Mal fiel uns die Themenfindung ein wenig schwer, bis Tati uns mit der Idee, über Schullektüre zu schreiben, wieder einmal gerettet hat.

An dieser Stelle ist es wohl so weit, ich muss da mal was beichten. Ich entschuldige mich vielmals bei meinen Lehrern, die uns die Schullektüre ans Herz legen wollten. Ich sag’s jetzt einfach: Ich habe sie selten gelesen. Wieso? Das ist eine ausgezeichnete Frage.

Auch wenn ich immer gerne gelesen habe, haben mich die Bücher aus der Schule irgendwie nie gereizt. Die Physiker habe ich zum Abitur schon gelesen, aber Effie Briest, Nathan der Weise und Der Schimmelreiter konnten mich irgendwie nie begeistern. Ich musste mich wirklich durch quälen, wenn ich sie denn in die Hand genommen habe. Vielleicht weil die Bücher diesen „Hausaufgabencharakter“ hatten (obwohl ich die natürlich gemacht habe) oder weil die meisten Bücher Klassiker aus dem letzten Jahrhundert sind. Damit will ich nicht sagen, dass ältere Bücher uninteressant sind o.Ä., aber ich war nicht die einzige Schülerin, die diese Geschichten, aus welchen Gründen auch immer, nicht ansprechen konnten. Bücher wie Die Welle, die ich in meiner Freizeit gelesen habe, haben den Weg in meinen Unterricht leider nie gefunden.

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Da ich also offensichtlich zu den Klassikern der Schullektüre nicht so viel beitragen kann, habe ich mir einfach überlegt, welche aktuellen Bücher ich gerne in zukünftigen Klassenzimmern sehen würde. Ich bin natürlich keine Pädagogin und bin somit vielleicht nicht die beste Person, eine solche Auswahl zu treffen. Allerdings sind mir im letzten Jahr ein paar Bücher im Gedächtnis geblieben, die meiner Meinung nach wichtige Werte vermitteln.

„The Hate U Give“ von Angie Thomas

Es ist noch gar nicht so lange her, dass mich das Debüt von Angie Thomas so begeistern konnte. Meine Rezension zum Buch findet ihr hier, in der ich schon den Wunsch ausgesprochen habe, dieses Buch als Lektüre in Klassenzimmern zu sehen. Es bietet einen guten Einblick hinter die Kulissen der Aufstände, von denen man immer wieder in den Nachrichten hört. Die Geschichte zeigt Starrs Spagat zwischen ihrer Trauer, Wut, Enttäuschung, ihren weißen Freunden die nicht alle Aspekte des Aufstands verstehen und noch so viel mehr. Eine Geschichte die meiner Meinung nach wichtige Werte in Sachen Vorurteile und Rassismus vermittelt.

„Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan

Eine Geschichte, die mich wirklich vom Hocker gehauen hat da ich nicht erwartet hätte, dass das Buch so tiefe Botschaften vermittelt. Meine Rezension dazu findet ihr hier. Durch die Körperlosigkeit von A rücken ganz andere Probleme in den Fokus. Dinge, die sich viele Menschen auch mehr zu Herzen nehmen sollten. Wieso konzentriert man sich auf  Unterschiede zwischen Menschen und ihre Eckdaten anstatt den Mensch einfach als Mensch zu sehen? Viele wichtige Lebensweisheiten und Weltansichten werden in diesem Buch vermittelt über die jeder junge Erwachsene zumindest mal nachgedacht haben sollte.

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„Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag & „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli

Ich hoffe, ich werde nicht dafür gesteinigt, beide Bücher unter einer Überschrift zusammen zu fassen. Aber die Bücher haben nun mal zwei Dinge gemeinsam: Sie sind fantastisch geschrieben und thematisieren gleichgeschlechtliche Liebe. Falls ich nicht dafür gesteinigt werde, dann vielleicht dafür, dass ich Den Mund voll ungesagter Dinge für Jugendliche empfehle, denn um das Buch gab es so einige hitzige Diskussionen. Meine Rezension dazu findet ihr übrigens hier. Beide Bücher zeigen, dass die erste oder auch zweite Liebe nicht immer ganz problemlos verläuft und erst recht nicht, wenn man sich dabei falsch fühlt und Angst hat. Es ist nicht immer alles flauschig und perfekt, doch es gibt keinen Grund sich zu schämen, sich „unnormal“ zu fühlen. Ich finde, diese Botschaft sollte viel häufiger vermittelt werden.

„All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven

Es ist schon eine Weile her, seit ich das Debüt von Jennifer Niven gelesen habe, aber auch diese Geschichte geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ist mir sofort entgegen gesprungen, als ich über diesen Beitrag nachgedacht habe. Die Rezension dazu war eine meiner ersten und findet ihr als Gastbeitrag auf Bücherquatsch. Leider sind auch Depressionen und Selbstmordgedanken ein Thema bei Jugendlichen welches oft tabuisiert wird. Doch nicht darüber zu reden macht es für manche nur noch schlimmer. Zu sehen, wie es anderen damit geht und es nicht schön zu reden, hilft da vielleicht eher. Wieder ein Thema, welches öfter angesprochen werden sollte und in diesem Roman behandelt wird.

„Der Koffer“ von Robin Roe

Dieses Buch habe ich erst vor ein paar Wochen gelesen und es hat mich wirklich überrascht, was für eine heftige Thematik sich hinter diesem unschuldigen Titel verbirgt. Meine Rezension dazu findet ihr hier. In diesem Jugendbuch geht es um häusliche Gewalt. Die Erfahrungen aus Sicht des betroffenen Jungen und seiner Freunde sind ziemlich krass beschrieben und lassen einen nicht los, auch lange nachdem man das Buch beendet hat. Es gibt diverse Bücher über dieses Thema, doch ich finde Der Koffer ist ein ganz besonderes.

Liebste Grüße,
Elli


Welche Bücher habt ihr in der Schule gelesen und welche habt ihr euch gewünscht?


||||| Like It 2 Yay! |||||

18 thoughts on “Schullektüre”

  1. Liebe Elli
    Ich war auch nie ein Fan von Schullektüren. Gerade erst vor kurzem sprach ich meine Deutschlehrerin darauf an, weshalb man nicht „modernere“ Bücher aussucht, die Jugendlich wirklich ansprechen könnten. Ihre Antwort war wie zu erwarten: Im Lehrplan sind ehen diese Lektüren vorgegeben und man hat keine Zeit für Jugendbücher ohne Inhalt. Hmpf. Ich habe dann auch einige Bücher vorgeschlagen, aber sie meinte es seien keine zeitlosen Titel und nicht wichtig.
    Ich hoffe aber sehr, dass manche Lehrpersonen etwas offener sind und Ratschläge von Bücherwürmern berücksichtigen. Deine Titel klingen alle sehr interessant, wobei ich keines gelesen habe. „Der Koffer“ scheint wirklich alle positiv zu überraschen, weshalb ich es wohl auch mal lesen werde 🙂
    Liebe Grüsse
    Julia

    1. Hi Julia,
      Jugendbücher ohne Inhalt? Wie bitte? Was hat wohl mehr Inhalt für Jugendliche: Ein Buch welches sie z.B. aufgrund der Sprache schwierig verstehen oder ein Buch mit Charakteren, in die sie sich eventuell rein versetzen können? Schade, dass deine Lehrerin da so strikt nach Lehrplan handelt bzw. andere Meinungen nicht sofort nieder schlägt.
      Der Koffer ist wirklich fantastisch, aber teilweise auch nichts für schwache Nerven.
      Liebe Grüße,
      Elli

  2. Ich war von den meisten Schullektüren auch kein Fan, vor allem da sie für mich immer erst Sinn gemacht haben, nachdem sie im Unterricht besprochen wurden. Die Physiker mochte ich echt gern, das hat mich beeindruckt, aber da war es so ziemlich allein 😀
    Gelesen habe ich die Bücher in der Regel schon, aber mit wenig Begeisterung und manchmal etwas verspätet. Man hat aber gemerkt, dass sich viele Mitschüler das Lesen komplett gespart haben, deshalb denke ich auch, dass das eindeutig ein Zeichen dafür ist, dass man andere Bücher wählen sollte. Oft haben Klassiker ja nicht mal eine Botschaft und aus aktuellen Jugendromanen kann man teilweise wirklich mehr mitnehmen. „The Hate U Give“ finde ich auch sehr geeignet! Da hoffe ich sehr, dass es irgendwann den Weg in die Schulen findet. An „Den Mund voll ungesagter Dinge“ haben mich ein paar Dinge gestört, die es für mich nicht optimal als Lektüre machen, aber generell stimme ich auf jeden Fall zu, dass das Thema LGBT definitiv in der Schule behandelt werden sollte.

    Liebe Grüße!

    1. Hi Jacquy,
      im Zuge dieser Beiträge habe ich jetzt schon öfter gelesen und gehört, dass viele die Bücher einfach nicht gelesen haben. Und das schon seit Jahren. Höchste Zeit, dass sich etwas ändert.
      Schön, dass dir die Bücher zum großen Teil gefallen haben und du sie auch für geeignet hältst. Die Auswahl ist mir teilweise schwer gefallen und ich hätte gerne noch ein paar mehr Bücher ausgewählt.
      Liebe Grüße,
      Elli

  3. 2 Bücher sind mir aus der Schule positiv im Gedächtgeblieben: „Oliver Twist“ von Charles Dickens. Ich glaube, wir haben das in der 7. Klasse gelesen und ich habe es verschlungen. Außerdem „The Catcher in the Rye“ von Salinger. Das haben wir in der 11. Klasse gelesen. Manche mochten es nicht. Ich schon. Alle anderen Bücher – ja auch Effi Briest – haben eher für Langeweile gesorgt.

    1. Hi Auroria,
      es ist total schade, Bücher wie The Catcher in the Rye haben wir leider nie gelesen, sonst hätte ich auch irgendwie mehr Freude und Motivation empfunden. Dass die Schüler die Bücher mögen ist ja wohl leider die Ausnahme.
      Liebe Grüße,
      Elli

  4. Du hast ja scho mitbekommen, dass es bei mir eh nicht so viel Schullektüre gab. Ich glaube, in der Grundschule gabe es mal eines, „Die Vorstadtkrokodile“, was ich tatsächlich heute noch gut im Gedächtnis habe, weil es auch kein tröges Buch ist, sondern eines, mit dessen Charakteren man sich in der vierten Klasse gut identifizieren kann und eben auch eine „problematischeres“ Thema ansprach.
    In der Realschule…ich habe absolut keeeine Ahnung ob wir da jemals eine Schullektüre hatten..wenn dann ja keine sehr gut, wenn ich mich so null erinnere. Ich weiß, es gab mal „Das Parfume“ aber ob das jetzt in der 10ten auf der Realschule war oder schon in der FOS, ich kanns nicht mehr einordnen, habe es auch praktisch nicht gelesen und fands einfach nur blöde. Auf der FOS, bei nur zwei Jahren zweit um dich aufs Fachabi vorzubereiten, wurde die Zeit im Deutschunterricht dann auch so wenig wie nur möglich mit Schullektüre vergeudet, Herr Lehmann gabs in der 12ten, dass weiß ich noch, kein typisches Buch dafür, aber dünn genug ums in der kurzen Zeit durchzukauen^^. Joa, hätt ich jetzt nicht gebraucht. Ich meien zu glauben, es gab irgendwann in den 12 Jahren auch mal den kleinen Prinzen, aber hmm evlt auch nur privat :D. Ich finde es sehr schade, dass es in meiner Schullaufbahn nur so wenige Lektüren gab, finde aber auch, dass diese ganze Lehrplantbücher und Klassiker, die seit Jahrzehnten durchgekaut werden, tweilweise irgendwie ihren Sinnn und Zweck nicht erfüllen, sondern eben nur gelesen werden, weils der Lehrplan halt sagt, aber nicht weils eventuell gerade zeitgemäße Themen anspricht, die unsere Welt und die der Jugendlichen jetzt bewegt. Deshalb sehr sehr schöne Idee, mit deiner moderneren Liste :).

    glg Franzi

    1. Hi Franzi,
      das es so gut wie keine Schullektüre gab, habe ich auch noch nicht gehört. Sehr schade, aber so ist dir zumindest die Lektüre, über die sich alle beschwert haben, erspart geblieben. Schön, dass dir die Liste gefällt. Ich hätte noch ein paar Bücher mehr nennen können, aber irgendwann ist ja auch mal gut.
      Liebe Grüße,
      Elli

  5. Hallo liebe Elli,
    da ging es uns beiden ja ähnlich – ich mochte die Schullektüre auch nicht („Damals war es Friedrich habe ich übrigens auch gelesen, habe ich in meinem Beitrag ganz vergessen xD). Dafür mag ich deine Empfehlungen für den zukünftigen Deutschunterricht umso mehr. Ich finde es wichtig, dass die Schullektüren den Nerv der Zeit treffen, Aktuelles thematisieren und die Schüler ansprechen. Klar, Klassiker gehören zur Allgemeinbildung und sollten nicht vollkommen gestrichen werden, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man den Interessen der jungen Leute dort im Klassenraum dennoch entgegenkommen kann.

    Fühl dich gedrückt.
    Maike

    1. Hi Maike,
      freut mich, dass dir meine Empfehlungen zusagen. Ein bunter Mix aus alt und neu wäre vermutlich mal erfrischend für die Schüler, mal schauen ob das irgendwann umgesetzt wird. Ich finde die Klassiker für die Allgemeinbildung auch wichtig, aber man muss halt auch nicht jeden Klassiker in der Schule durchkauen.
      Liebe Grüße,
      Elli

  6. Huhu Liebes!
    Ein schöner Beitrag. Besonders gefällt mir, dass Du quasi nicht nur über die Schullektüre dich „beschwerst“ (wie ich das gemacht habe), sondern bietest auch gleich Alternativen an.
    Was „All die verdammt perfekten Tage“ angeht, bin ich dieses Mal allerdings nicht bei Dir. Das Buch fand ich auch irgendwie langweilig. Aber Gott sei Dank, sind Geschmäcker verschieden.

    Alles liebe, Nelly

    1. Hi Nelly,
      freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt. Das habe ich mir schon gedacht, aber das ist ja auch nicht schlimm. So wie manche Schüler das Buch mögen, mögen es andere wieder nicht. Es wird wohl kein Buch geben, was alle durch die Bank weg begeistert.
      Liebe Grüße,
      Elli

  7. Liebste Elli,

    wie konntest du „Effi Briest“ nicht leiden, ich habe es geliebt! 😀 Ich finde es übrigens wunderbar, dass du hier deine Empfehlungen für Schullektüren nennst und auch die Auswahl empfinde ich als äußerst gelungen. 🙂

    Liebste Grüße,
    Tati

    1. Liebste Tati,
      ich kann mich kaum noch dran erinnern aber ich weiß noch, dass ich es aus irgendwelchen Gründen echt ätzend fand. Wie die meisten Bücher, ups.
      Freut mich, dass dir meine Auswahl gefällt. Ich bin gespannt, ob es eins der Bücher tatsächlich irgendwann in ein Klassenzimmer schafft.
      Liebe Grüße,
      Elli

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