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Rezension

„Artemis“ von Andy Weir

Nachdem ich im vorletzten Jahr Der Marsianer (Rezension hier) verschlungen habe, habe ich mich monatelang auf die Erscheinung von Artemis gefreut. Die Vorfreude war absolut berechtigt, denn das Buch konnte mich wieder vollständig begeistern.

Inhalt

Jasmine Bashara, meist Jazz genannt, lebt in Artemis, der einzigen Stadt auf dem Mond. Als Liefermädchen und Schmugglerin versucht sie sich durchzuschlagen und ihre Schulden zu bezahlen. Somit kann sie nicht Nein sagen als sie ein verlockendes, aber auch sehr gefährliches Angebot bekommt. Ein so großes Verbrechen in einer solch kleinen und überwachten Stadt zu begehen ist nur der Anfang eines sehr viel größeren Problems – die Stadt Artemis zu retten.

Gedanken

Gleich zu Beginn der Geschichte fällt der absolut fantastische, aber auch sehr vulgäre, Schreibstil von Andy Weir auf. Ich habe Der Marsianer auf Deutsch gelesen, allerdings ist der Stil auf Englisch noch ein wenig lockerer und meiner Meinung nach sehr gut für Einsteiger geeignet. Die Seiten lesen sich einfach so weg und ich habe mehr als einmal laut aufgelacht. Jazz spricht den Leser direkt an und erläutert, was grade passiert und gibt ihre Kommentare dazu ab – die einen aufgrund ihrer frechen und humoristischen Natur stets zum Lachen bringen. Die wissenschaftlichen Aspekte werden wieder sehr gut erläutert sodass man die Komplikationen von einer Stadt auf dem Mond sehr gut verstehen kann. Um sich die Stadt und die umliegenden Fabriken besser vorstellen zu können, gibt es vorne im Buch, wie auch schon bei Der Marsianer, Karten der Örtlichkeiten.

The moon’s a mean old bitch. She doesn’t care why your suit fails. She just kills you when it does. (S. 10)

Neben Jazz gibt es noch eine Menge weiterer wichtige Charaktere die allesamt sehr bildhaft dargestellt sind und durch ihre Handlungen und ihren Sprachstil regelrecht zum Leben erwachen. In Artemis gibt es Kulturen, Religionen und Sexualitäten aller Art – doch das ist überhaupt kein Konfliktpunkt. Es lässt die Stadt auf dem grauen Mond so viel bunter wirken und die wilde Zusammenstellung an Charakteren macht einen großen Teil des Charmes der Geschichte aus.

buchhaim_andy_weir_artemis

Nach jedem Kapitel sind Briefe zwischen Jazz und ihrem Freund Kelvin, der auf der Erde wohnt, eingefügt. Über diese erhält man noch mehr Informationen über Jazz und ihre Vergangenheit und beginnt langsam zu verstehen, wieso sie sich so verhält, wie sie es tut. Ich mag solche Zwischensequenzen in Büchern sehr, da sie nochmal ein anderen Blick auf die Charaktere und ihre Handlungen erlauben.

This moment-this moment right now-is where we decide what kind of city Artemis is going to be. (S. 184)

Auch wenn der Anfang der Geschichte sehr locker und leicht ist, wird die Spannung doch mit jedem Kapitel größer bis sich die Ereignisse quasi überschlagen. Jazz stolpert von einem Problem ins nächste und versucht diese mit verrückten und gleichzeitig genialen Plänen zu lösen. Diese Szenarien haben mich manchmal an die verrückten Pläne von Kaz Brekker aus Six of Crows (Rezension hier) erinnert. Ich konnte meinen E-Reader einfach nicht mehr aus der Hand legen da die Kombination von Schreibstil, Spannung und Charakteren einfach so viel Spaß gemacht hat!

Das Ende der Geschichte war zwar logisch nachzuvollziehen, jedoch ist mir das ein wenig zu glimpflich ausgegangen. Das hat meiner Meinung zum Buch aber nicht geschadet, denn Artemis konnte mich voll und ganz begeistern!

Fazit

Andy Weir hat mit Artemis wieder ein fantastischen Buch auf den Markt gebracht. Der Autor versteht es einfach Humor, Spannung, vielfältige Charaktere und die richtige Prise Space-Drama zu einer fantastischen Geschichte zu vereinen. Wer Lust auf Six of Crows in Space hat und schon Der Marsianer mochte, sollte sich Artemis auf keinen Fall entgehen lassen! Wer lieber auf Deutsch liest muss noch bis März auf die deutsche Übersetzung bei Heyne warten.

Liebste Grüße,
Elli

Welcher Autor kann euch immer wieder begeistern?

Weitere Meinungen zu „Artemis“

13 Kommentare zu „Artemis“ von Andy Weir

  1. I habe „Artemis“ auch vor wenigen Wochen erst gelesen und fand es zwar bei weitem nicht so episch und fesselnd wie „Der Marsianer“, habe mich aber trotzdem gut unterhalten gefühlt. Ich kann daher nachvollziehen dass viele Leser anscheinend etwas enttäuscht von Andy Weirs zweitem Buch sind aber mir haben Story, Setting und Charaktere im Großen und Ganzen gut gefallen, lediglich das letzte Drittel war mir ein wenig zu technisch und dadurch stellenweise etwas langatmig. Ich stimme dir auch zu, dass das Ende gerne noch etwas dramatischer hätte ausfallen können.

    Insgesamt fand ich’s aber wie gesagt gut und freue mich schon auf weitere Bücher des Autors, hoffentlich müssen wir nicht wieder ganz so lange warten wie zwischen „Der Marsianer“ und „Artemis“ 😀

    1. Hi Sebastian,
      ich finde beide Bücher haben ihre Stärken. „Der Marsianer“ ist halt sehr dramatisch und dadurch ein echter Pageturner. „Artemis“ ist einfach ziemlich lustig durch die Charaktere und die Situationen in denen sich Jazz immer wieder findet, und dadurch natürlich auch ziemlich spannend.
      Ich freue mich auch schon, Andy Weir ist zu einem echten Lieblingsautoren geworden. Hoffentlich schaffe ich es dieses Jahr nochmal „The Martian“ zu lesen, das habe ich vor zwei Jahren nämlich nur auf Deutsch gelesen.
      Liebe Grüße,
      Elli

  2. Liebe Elli,

    was für eine fantastische Rezension!
    Da freu ich mich gleich doppelt so sehr, dass ich das Buch schon im Regal stehen habe und werde es mir wahrscheinlich im Februar schon vornehmen!
    Ich war ja vorher schon gespannt, aber jetzt hast du mich richtig neugierig gemacht.

    Liebste Grüße <3 Jill

    1. Liebe Jill,
      vielen Dank! Yay, das freut mich. Ich habe es als eBook gelesen, werde es mir bei Gelgenheit aber nochmal als Print holen, genau wie „The Martian“; das habe ich damals nur auf Deutsch gelesen und möchte es nochmal auf Englisch lesen.
      Ich bin gespannt auf deine Meinung!
      Liebste Grüße,
      Elli

  3. Hey Elli!
    Dank Buchbox ist das Buch bei mir eingezogen, sogar mit schwarzem Buchschnitt.
    Ich bin sehr gespannt, ob ich es auf Englisch packe.
    Ich muss unbedingt mal wieder mehr auf Englisch lesen, hatte mir das eigentlich fest vorgenommen..

    Tolle Rezension!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Hi Nicci,
      uh, ich bin ein bisschen neidisch! Das Englische ist wirklich nicht schwer. Du hast doch schon das ein oder andere Buch auf Englisch gelesen, da packst du „Artemis“ locker.
      Dankeschön!
      Liebe Grüße,
      Elli

  4. Ich war mir bisher nicht sicher, ob ich auch ‚Artemis‘ von Andy Weir lese, werde dem Buch nun aber wohl doch eine Chance geben, wenn auch „nur“ auf Deutsch. ‚Der Marsianer‘ hat mir ja durchaus gefallen und der Inhalt von ‚Artemis‘ spricht mich eigentlich sogar noch mehr an. Ich bin gespannt, ob Andy Weir mich auch in diesem „neuen“ Genre begeistern kann. (Ja, genau genommen ist beides Science-Fiction, aber ‚Artemis‘ spielt dann schon deutlich weiter in der Zukunft als ‚Der Marsianer‘.)

    1. Hi Stephie,
      Artemis ist auf jeden Fall ein bisschen lockerer als Der Marsianer; ich hatte zumindest nicht konstant Angst dass die Protagonistin gleich stirbt. Wenn du Bücher auf Englisch liest kann ich dir nur empfehlen das zu tun, Andy Weir hat einen fantastischen Schreibstil.
      Liebe Grüße,
      Elli

  5. Hi!
    Das klingt richtig toll und ich hab mir das Buch gleich mal vorbestellt. Freue mich schon darauf, nachdem ich deine Rezension gelesen hab. Bis jetzt hab ich sein anderes Buch noch nicht gelesen (Marsianer), aber wenn mir das gefällt, wird das nächste Buch auch gleich einziehen. 😉

    Viele liebe Grüße
    Ani

    1. Hi Ani,
      beide Bücher sind wirklich fantastisch. Ich hoffe, sie gefallen dir!
      Liebe Grüße,
      Elli

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