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Rezension

„Kleine Feuer Überall“ von Celeste Ng

Kleine Feuer Überall ist mir im englischen Original (Little Fires Everywhere) in der englischen Buch-Community schon vor einer Weile aufgefallen. Ich habe viel Gutes über die Autorin gehört und nicht lange nach Erscheinungsdatum hat man den Roman überall gesehen. Da ich neulich in einer kleineren Buchhandlung war, die das Buch leider nicht auf Englisch vorrätig hatte, habe ich einfach die deutsche Ausgabe mitgenommen und wurde nicht enttäuscht.

Inhalt

In der Kleinstadt Shaker Heights scheint alles perfekt – die Häuser, ihre Bewohner und deren Leben. Nur in der Familie Richardson weicht der durchgeplante Alltag immer mehr der Perfektion ab. Neben der jüngsten Tochter Isabelle machen auch die neuen Mieter mit der Zeit Probleme, denn Mia und ihre Tochter Pearl bringen Geheimnisse mit nach Shaker Heights, die bald nicht  mehr nur die beiden betreffen.

Gedanken

Hätte ich nicht so viel Gutes über dieses Buch gehört, hätte ich mich vermutlich nicht näher damit beschäftigt, da der Roman eigentlich so gar nicht mein Geschmack ist; dachte ich zumindest. Ich bin sehr froh, dass ich dieses Mal dem Hype gefolgt bin, denn Kleine Feuer Überall hat mich zum Nachdenken gebracht und konnte mich gut unterhalten. Wie sollte es bei folgendem Buchanfang auch anders sein?

In jenem Sommer redeten alle in Shaker Heights darüber, wie Isabelle, das jüngste Kind der Richardsons, endgültig durchdrehte und das Haus abfackelte. (S. 9)

Da hat man doch direkt Lust weiter zu lesen. Das fällt auch u. a. aufgrund des grandiosen Schreibstils nicht schwer. Auch wenn am Anfang viele Familien, ihre Mitglieder und ihr Alltag vorgestellt wird, schafft es die Autorin den Leser durch einen strukturierten Schreibstil immer wieder zum Plot zurück zu führen und sich nicht in den Nebenerzählungen  zu verlieren.

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In Shaker Heights leben ganz unterschiedliche Familien mit ihren ganz eigenen Herausforderungen. Um diese Herausforderungen zu verstehen, tauchen im Verlauf des Buches immer mal wieder Nebenerzählungen auf. Ein großes Thema ist beispielsweise der Unterschied zwischen „Arm“ und „Reich“, denn nicht alle Familien in der Stadt sind wohlhabend und können sich ein Leben in einem schönen Haus leisten. In vielen Geschichten wird dieses Thema unsensibel angegangen und die Erzählung scheint einen „arroganten“ Beigeschmack zu haben – in Kleine Feuer Überall wird dieses Thema  sehr realistisch und auf nicht überzogene Art und Weise dargestellt. Neben dem Wohlstand tragen die Themen Adoption oder Kindeserziehung ebenfalls zu einer fabelhaft diversen Geschichte bei. Das Buch schafft es mit diesen Themen zur Diskussion und zum Nachdenken anzuregen.

Es lief immer wieder auf ein und dieselbe Frage hinaus: Was machte jemanden zu einer Mutter? War es allein die Biologie, oder war es Liebe? (S. 294)

Die unterschiedlichen Lebensweisen und der Schreibstil sind nicht die einzigen Aspekte, die dieses Buch zu etwas Besonderem machen. Von der gesitteten Familie bis zum rebellischen Teenager – jeder Charakter ist wunderbar lebhaft dargestellt und trägt maßgeblich zum Sog der Geschichte bei. Im Verlauf des Buches werden immer mehr Geheimnisse der Charaktere aufgedeckt und man rätselt selbst mit, was es mit den Charakteren auf sich haben könnte. Auch wenn das Buch vielleicht  nicht die „klassische“ Spannung mit sich bringt, lassen die Charaktere, ihre (manchmal wirklich nervenaufreibenden) Entscheidungen und das allgemeine Setting der Geschichte einen das Buch nicht aus der Hand legen.

Fazit

Ich könnte wohl noch eine Weile über all die tollen Aspekte in diesem Roman schreiben doch ich denke eins steht fest – Kleine Feuer Überall konnte mich vollkommen überzeugen, wie es ein Buch schon lang nicht mehr konnte. Es ist einfach mal was anderes von den vielen YA-Fantasy-Teenie-Dramen die in in einem Großteil der Buch-Community viel im Rampenlicht stehen. Falls ihr also Lust auf etwas Besonderes habt, das euch mit vielen Gefühlen und Gedanken zurück lässt und euch unterwegs Lachen lässt, greift definitiv zum neuen Werk von Celeste Ng!

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Weitere Meinungen zu „Kleine Feuer Überall“

6 Kommentare zu „Kleine Feuer Überall“ von Celeste Ng

  1. Liebe Elli,

    freut mich, dass dir das Buch so gut gefallen hat! Es ist einfach beeindruckend, wie Ng mit so viel Fingerspitzengefühl so viele Themen in einem relativ kurzen Roman unterbringen kann. Und dass das Buch nicht an Spannung verliert, obwohl man eigentlich vom ersten Satz an eine Ahnung hat, wo das Buch hinführen wird.

    Ähnliche Bücher suche ich auch immer, aber ich kann dir noch sehr Ngs Debüt „Was ich euch nicht erzählte“ ans Herz legen!

    Alles Liebe
    Isabella

    1. Hi Isabella,
      ja, das habe ich auch die ganze Zeit gedacht. Einfach ein so umfangreiches, wichtiges und tolles Buch. Das Buch werde ich demnächst auch noch auf jeden Fall lesen, danke für den Tipp!

      Liebe Grüße
      Elli

  2. Liebe Elli,
    dein Fazit klingt ja wirklich begeistert 🙂
    Ich hatte das Buch bisher nicht auf dem Schirm, werde es mir mal speichern.
    Danke für den Tipp!
    Gefühle, Gedanken und Lachen durchs Lesen klingt cool, hehe.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Hi Nicci,
      das bin ich auch! Seit langem mal wieder ein richtig gutes Buch, ohne wenn und aber.
      Schau es dir unbedingt an, ich bin mir sicher, es gefällt dir!
      Ich bin schon gespannt auf deine Meinung.
      Liebe Grüße,
      Elli

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